Vespatipps – Reparatur selber machen

Kugellager wechseln

Wie werden die Kugellager richtig gewechselt?

Im Smallframe-Motorgehäuse befinden sich insgesamt 6 Kugellager.

  • Kurbelwelle Kupplungsseite (große Motorhälfte)
  • Kurbelwelle Limaseite (kleine Motorhälfte)
  • Primär-Lager (große Motorhälfte)
  • Nadellager Antriebswelle/Hauptwelle (kleine Motorhälfte)
  • Kugellager Nebenwelle/“Tannenbaum“ (kleine Motorhälfte)
  • Tonnenlager (meist in der PK verbaut)

Grundsätzlich: Wollt ihr die Lager weiterhin verwenden – was nicht empfohlen wird – sollte ihr bei den Lagern niemals auf den Innenring schlagen. Damit zerstört ihr die Lager.

Wie bekommt man die Lager am besten heraus?

Grundsätzlich gilt beim Kugellager wechseln/Ausbau/Einbau, dass der Lagersitz auf jeden Fall unbeschädigt bleiben muss! Also lieber eine halbe Stunde länger Zeit investieren, als mit roher Gewalt das Gehäuse oder den Lagersitz zu zerstören. Dabei gilt zu beachten, ob man auf den Innen- oder Außenring des Lagers Kraft einwirken lässt, da sonst das Kugellager Schaden nimmt und unbrauchbar wird.

Außerdem solltet ihr euch merken, dass sich ein Lager bei Erwärmung weniger stark „ausdehnt“, als das Aluminium-Guss-Motorgehäuse. Das ist für den schonenden Ein- und Ausbau der Lager sehr hilfreich (dazu weiter unten mehr). Oftmals reicht es schon aus, das Gehäuse gleichmäßig im Backofen oder mit dem Heißluftfön auf etwa 180 Grad zu erhitzen und das ein oder andere Lager fällt von selbst aus dem Gehäuse heraus.

Wie wird das Gehäuse am besten erwärmen

Die beste Methode die Gehäusehälften gleichmäßig auf die richtige Temperatur zu erhitzen, ist und bleibt der Backofen. Nun hat nicht jeder von uns einen Backofen in der Werkstatt oder im Keller stehen, sodass meist der Heißluftfön für diese Arbeiten herangenommen wird. Am Ende spielt das aber keine Rolle. Bei Verwendung eines Heißluftfön müsst ihr darauf achten, dass dieser genug Leistung bzw. Hitze erzeugt, da sonst der Lagertausch nicht so locker von der Hand geht und darüber hinaus, sehr zeitaufwendig werden kann.

Noch schneller geht es mit einer Lötlampe, mit der ihr gleichmäßig den Lagersitz erwärmt. Da die Lötlampe sehr Hohe Temperaturen erreicht und wir das Gehäuse nicht schmelzen wollen, haltet genügend Abstand und bewegt die Flame gleichmäßig in kreisenden Bewegungen über dem Lagersitz.

Wann hat der Lagersitz die richtige Temperatur

Der Lagersitz hat dann die richtige Temperatur, wenn ihr das Lager mit der Hand oder einer Zange locker in den Lagersitz stecken/fallen lassen könnt. Lasst sich das Lager nicht locker in den Sitz schieben bzw. fällt es nicht hinein, ist der Sitz bzw. das Gehäuse nicht ausreichend erhitzt.

Wendet keine Gewalt an, sondern erhitzt den Lagersitz bzw. das Gehäuse erneut.

Zusätzlich könnt ihr das Kugellager auch vorab ins Eisfach legen oder mit Eisspray runter Kühlen. Wir sprechen hier von der Heiß/Kalt Methode.

Weitere Hinweise und Tipps zu den einzelnen Lager

Kurbelwellenlager 6303 und 6204 C4

Das Kulu-Kurbelwellenlager (6303) ist im Gehäuse zusätzlich mit einem Seegerring gesichert, der vor dem Ausbau entfernt werden muss. Anschließend wird der Lagersitz wie oben beschrieben erhitzt und das Lager zur richtigen Seite und mit leichten Schlägen und einer passenden Nuss (am Außenring) herausgeklopft. Hat das Gehäuse die richtige Temperatur, geht das komplett ohne Gewalt.

Sollte das Lima-Kurbelwellenlager (6204 C4) nicht auf der Kurbelwelle stecken bleibt, erhitzt ihr erneut das Gehäuse um das Lager und klopft dieses entsprechend heraus. Bleibt das Lager auf der Welle, könnt ihr dieses mit einem Lagerabzieher von der Welle ziehen.

Primärlager

Auch das Primärlager (16005) ist mit einem Seegerring im Lagersitz gesichert, der vor dem Ausbau entfernt werden muss. Natürlich müsst ihr vorher noch die Primär entfernen. Wie das Primär ausgebaut wird, steht bei Motor-Revision. Oftmals bekommt ihr dieses Lager mit leichten Schlägen schon so heraus. Falls nicht, erhitzt ihr kurz den Sitz und klopft das Lager am Außenring heraus. Es ist etwas kniffelig, da nicht so viel Platz für die Nuss ist.

Nadellager der Antriebswelle

Das Nadellager der Antriebswelle (4121A) sitzt in den meisten Fällen extrem fest. Um dieses Lager mit möglichst wenig Kraft aus dem Sitz zu bekommen, müsst ihr das Gehäuse richtig schön heiß (wirklich heiß) machen. Dieses mal unbedingt von beiden Seiten.

Es gibt zwei Methoden, die sich beim Ausbau des Nadellager durchgesetzt haben.

  1. Methode: Ihr schweißt (punkten) eine Mutter auf das Nadellager, dreht anschließend eine Schraube rein und zieht auf diese Weise das Lager heraus.
  2. Methode: Mit dem Dremel schneidet ihr den Außenring ein. Damit verliert der Ring seine Spannung und ihr könnt das Lager mit einem Lagerabzieher leichter heraus schlagen.

Kugellager der Nebenwelle

Auch das Kugellager der Nebenwelle (6200) sitzt in einem Sackloch und kann deswegen nicht so einfach ausgeschlagen werden. Weswegen sich auch hier drei Methoden durchgesetzt haben:

  1. Methode: Ihr nehmt eine alte Nebenwelle und spannt diese in den Schraubstock. Dann steckt ihr die kleine Gehäusehälfte auf die Welle und erhitzt das Gehäuse von außen. Ist das Gehäuse schön heiß, bewegt ihr das Gehäuse hin und her, bis das Nebenlager langsam heraus kommt. – Auch hier gilt: KEINE GEWALT anwenden und Zeit lassen.
  2. Methode: Ihr schweißt (punkten) eine Mutter auf das Lager, dreht anschließend eine Schraube rein und zieht auf diese Weise das Lager heraus.
  3. Ihr macht den Lagersitz richtig schön heiß, nehmt einen Lagerinnenabzieher und zieht/schlagt damit das Lager heraus.

Tonnenlager NU204 oder N204

Besonderheit bei den Kugellagern bildet das Tonnenlager (NU 204 bzw. N204), dass zweigeteilt ist und der Innenring auf der Kurbelwelle (Lima-Stumpf), und der Außenring samt Tonnen im Gehäuse sitzt. Durch das geteilte Lager, geht einem das Spalten der Gehäusehälften leichter von der Hand.

Ein Nachteil hat das Tonnenlager bei der Verwendung von schräg verzahnten Primär. Durch die schräge Verzahnung, entsteht erheblicher axialer Druck auf das Lager, dass dafür nicht geschaffen ist. Somit sollte ein Tonnenlager nur mit einem gerade verzahnten Primär verwendet werden.

Den Innenring der auf der Kurbelwelle sitzt, bekommt ihr am einfachsten mit einem entsprechenden Lagerabzieher herunter. Ggf. leiht ihr euch einen aus oder geht zur nächst gelegenen Werkstatt. Den Außenring heraus zu bekommen leider schwieriger, sodass sich hier erneut zwei Methoden als vorteilhaft erweisen haben:

  1. Methode: Ihr besorgt euch einen Lagerinnenabzieher in der entsprechenden Größe, erhitzt das Gehäuse ordentlich von außen und ein bisschen von Innen und treibt auf diese Weise nach und nach den Ring heraus.
  2. Methode: Ihr nehmt einen Dremel und schneidet so lange einen Schlitz in den Innenring, bis dieser quasi fast durch ist. Durch den entstanden Schlitz verliert der Lagerring an Spannung und ihr könnt diesen dann leicht heraus holen.