Vespatipps – Reparatur selber machen

Vergaser Einstellen

Vergaser einstellen

Ein optimal eingestellter Vergaser, sorgt für eine gute Verbrennung, optimale Leistung und Langlebigkeit des Motors. Daher solltet ihr möglichst dafür sorgen, dass die Zündkerze bzw. die Elektrode einen rehbraunen Farbton hat (weiter unten wird erklärt, wie ihr für eine Sichtprüfung vorgehen müsst).

TIPP: Um den Vergaser vernünftig einstellen zu können, sollte der Motor schön warm sein. Dazu lasst ihr den Motor im Stand für 10 Min laufen. Die Grundeinstellung der Gemischschraube wird vor dem ersten ankicken vorgenommen.

Die Grundeinstellung

Um die Grundeinstellung bei den üblichen Vergasern (16/10, 16/16 oder 19/19) einzustellen, dreht ihr die Benzin-Gemischschraube (lila) sehr behutsam im Uhrzeigersinn ganz hinein und dann wieder 1,5 Umdrehungen gegen den Uhrzeigersinn heraus.

Mit der Leerlauf-Gemischschraube (grün u. blau dargestellt), stellt ihr das Standgas ein. Dreht ihr im Uhrzeigersinn wird das Standgas erhöht (der Hebelarm, gelb, erhebt sich), dreht ihr gegen den Uhrzeigersinn wird das Standgas reduziert (der Hebelarm wird gesenkt). Das Standgas ist optimal eingestellt, wenn ihr um die 1000 U/Min. erreicht habt und der Motor im Stand nicht ausgeht. Beim ersten ankicken, sollte die Leerlauf-Gemischraube möglichst weit draußen sein, damit der Motor nicht unkontrolliert hoch dreht.

Mit der Grundeinstellung solltet ihr auf alle Fälle den Motor ankicken und fahren können.

Die perfekte Abstimmung

Bevor es auf die Strasse geht, solltet ihr noch eine weitere Feinabstimmung vornehmen. Mit dieser Einstellung wird fast das perfekte Gemisch eingestellt.
Der Motor ist warm und blubbert im Standgas vor sich hin. Nun dreht ihr die Benzin-Gemischraube langsam im Uhrzeigersinn hinein, gleichzeitig erhöht sich damit auch die Drehzahl. Dreht weiter bis die Drehzahl wieder abfällt. Im gleichen Moment dreht ihr jetzt die Gemischschraube 1/8 Umdrehung gegen den Uhrzeigersinn. Nun habt ihr das optimale Gemisch mit den verbauten Düsen erreicht.

Nun gehts auf die Strasse…

Für eine perfekte Abstimmung schwingt ihr euch auf die Vespa und fahrt ein paar Kilometer bis der Motor warm gefahren ist. Das was nun kommt ist wichtig für ein ablesbares Kerzenbild. Fahrt rund ein Kilometer Vollgas, zieht bei Vollgas die Kupplung und drückt gleichzeitig den Killschalter und haltet in dieser Stellung an.
Schraubt dann die Kerze heraus und schaut euch das Bild an.

Es gibt drei Zustände:

  • Hellgrau bis Weiß
    Das Gemisch ist zu mager und der Motor bekommt zu viel Luft und zu wenig Benzin. Der Motor kann nicht die volle Leitung abgeben und wird nicht ausreichend geschmiert (Kolbenklemmer… Motorschaden)
  • Dunkel, Schwarz und rußig
    Das Gemisch ist zu fett und der Motor bekommt zu viel Benzin und zu wenig Luft. Der Motor kann nicht die optimale Leistung erzielen. Die Zündkerze und das Abgassystem verrußen.
  • Rehbraun (optimale Einstellung)
    Die Elektrode und der Steg der Zündkerze, sind Rehbraun gefärbt. Der Motor bekommt das richtige Verhältnis zwischen Benzin und Luft. Der Motor kann seine optimale Leistung erbringen und darüber hinaus ausreichend geschmiert.

Habt ihr die Gemischschraube entsprechend leicht korrigiert, fahrt ihr erneut ein paar Kilometer und haltet dann nach dem oben beschrieben Vorgehen an und überprüft die Zündkerze erneut.

Tipp: Damit der Motor beim Starten nicht hoch jubelt, sollte der Hebelarm (und somit der Gasschieber) nur minimal angehoben sein (Schraube dazu gegen den Uhrzeigersinn drehen, bis der Hebel knapp aufliegt). Erhöht das Standgas nach und nach und tastet euch heran.

Die optimale Vergaser Einstellung lässt sich nur dann realisieren, wenn folgende Parameter gegeben und erfüllt sind:

  • keine Falschluft (Vergaser und auch Motor)
  • Zwischen Vergaser u. Ansaugstutzen ist der Filzring verbaut (oder O-Ring)
  • Zündung ist richtig eingestellt
  • Zündkerze ist in Ordnung
  • Hauptdüse / Nebendüse sind richtig gewählt
  • Gaszug läuft einwandfrei (klemmt nicht)

Falschluft

Vorwort: Als Falschluft (auch Nebenluft genannt) bezeichnet man in der Technik, die zu einem kontrollierten Strom an Luft zusätzlich und unkontrolliert hinzutritt, sodass mehr Luft als vorgegeben oder zuvor gemessen o. ä. besteht, oder dass Luft, die kontrolliert war, aus einem Prozess unkontrolliert entweicht, mit dem unerwünschten Effekt, dass sich damit eine Gemischzusammensetzung und u. U. andere Verfahrens-Parameter verändern.

Falschluft ist bei unseren Vespa Motoren ein großes Problem, wenn Abdichtungen zwischen zum Beispiel Vergasern und Ansaugstutzen (z. B. Filzring oder O-Ringe) fehlen oder der Motor selbst undicht ist (Simmering oder Gehäusedichtung undicht/defekt). Dadurch wird unkontrolliert zu viel Luft angesaugt, sodass das Vergaser nicht richtig abgestimmt werden kann und am Ende das Benzin-Luft-Gemisch zu mager ist. Dieses Falschluft-Verhalten kann zu Fehlfunktionen, schlechter Verbrennung, zu hohem Verbrauch und auch bis zur völligen Funktionsunfähigkeit führen. Typischer Schadensfall von hoch belasteten Zweitaktmotoren war früher oftmals, dass Kolben durchbrennen, wenn ein Falschluft-Zutritt über längere Zeit unbemerkt blieb und zu weitaus zu hohen Verbrennungstemperaturen geführt hatte.

In dem folgenden Video wird sehr gut uns ausführlich erklärt was Falschluft ist und wie ihr nach Falschluft suchen müsst.

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Hauptdüse (HD) / Nebendüse (ND)

TIPP für die HD: Wenn ihr mit dem Roller unterwegs seit, dann zieht bei Vollgas mal den Choke heraus. Erhöht sich die Drehzahl und die Vespa wird schneller, ist die HD zu klein gewählt und ihr braucht eine größere. Zieht ihr den Choke und die Drehzahl fällt ab und der Motor möchte ausgehen, ist die HD richtig oder aber zu groß.

Die Hauptdüse (HD) regelt das Gemisch im oberen Drehzahlbereich – 3/4 bis Vollgas. Wird die HD zu klein gewählt, kann der Motor nicht die volle Leistung erbringen. Besonders wichtig bei Zylindern aus dem Tuning-Bereich. Inkl. der Zylinder mit gleichem Hubraum.

In der Regel findet man die Daten für die Größe der HD in der ABE und/oder in den Fahrzeugpapieren. Meist werden zwei Größen genannt, die aber nicht zwingend ideal für euer Setup sind. Daher loht eine Abstimmung für eine optimale Leitung auf jeden Fall.
Gehen wir einen Schritt weiter und nehmen einen Tuningzylinder mit zum Beispiel zusätzlichen Kanälen, benötigt ihr in der Regel immer eine größere HD um die optimale Leistung heraus zu holen.

Ein weiterer Faktor bei der Abstimmung, ist die Nebendüse bzw. die richtige Kombination aus HD und ND. Leider gibt es keinen wirklichen Richtwert, den ich euch hier nennen könnte. Daher gilt… Probieren, Probieren, Probieren. Bevor ihr mit dem Testen der richtigen Kombi anfangt, muss erst die HD stimmen und dann erst, wir die ND auf die HD abgestimmt.

Standard Nebendüsen sind:

SHB-Vergaser16/1038
SHB-Vergaser 16/16 42
SHB-Vergaser 19/19 45

Während sich die HD in der Schwimmerkammer (grün im Bild) befindet und diese, für ein Wechsel, abgeschraubt werden muss, ist die ND (lila im Bild) seitlich außen angebracht.

Hinweis: Achtet bei allen Düsen darauf, dass diese absolut sauber sind!

Als Faustregel gilt, dass die Abstimmung immer von FETT nach MAGER erfolgen soll. Damit wird verhindert, dass der Motor anfangs zu mager läuft. Eine mögliche Folge könnte ein Kolbenklemmer sein.

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